Pinselkunde: Welcher Pinsel eignet sich für was?

Aquarellbilder, Ölgemälde, Acrylzeichnungen – es gibt viele verschiedene Arten von Farben, mit denen sich wunderschöne Kunstwerke kreieren lassen. Neben dem passenden Untergrund spielen die Pinselform und die Pinselhaare eine entscheidende Rolle, denn sie beeinflussen das Ergebnis maßgeblich. Welcher Pinsel für was am besten geeignet ist verraten wir euch im Einmaleins der Pinselkunde.

Wer hat den Pinsel erfunden? Ein kurzer Exkurs

Der Ursprung des Pinsels wie wir ihn heute kennen liegt im Frankenland des späten 19. Jahrhunderts. Der Schreinermeister Johann Caspar Bühler ließ sich 1889 in Bechhofen in Mittelfranken nieder und galt als einer der ersten Pinselmacher, der Pinsel an Maler und Künstler verkaufte.
Die ersten Pinselzeichnungen stammen jedoch bereits aus der Steinzeit. Die Menschen benutzen für Höhlenmalereien neben ihren Fingern leichte Stöcke und Knochen, an denen sie Tierhaare oder Federn befestigten. Bis heute hat sich an der Grundform des Pinsels kaum etwas verändert. Erstaunlich, nicht wahr?
Heute gibt es Pinsel zum Malen in den unterschiedlichsten Formen und Größen und mit verschiedenen Tierhaaren oder aus synthetischen Fasern.

Pinselkunde: Wie ist ein Pinsel aufgebaut?

Alle Malpinsel bestehen aus drei Komponenten: einem Holzstiel, einem Pinselkopf aus Tierhaaren, Borsten oder Synthetikfasern (Besteckungsmaterialien) und einer Metallhülse (Zwinge). Letzteres verbindet die Besteckungsmaterialien mit dem Stiel und gibt die Form des Pinselkopfs vor. Hierbei wird zwischen den beiden Grundformen Rund- und Flachpinsel unterschieden. Selbstverständlich gibt es auch Spezialformen, denn je nach Art der Malerei werden unterschiedliche Pinselkopfformen benötigt.

Die verschiedenen Pinselhaare im Überblick

Für jede Farbsorte gibt es spezielle Pinsel, die zu einem optimalen Ergebnis führen. So eignen sich beispielsweise Pinsel mit feinen, weichen Haaren für eine detailliertere Malweise, während grobe Borstpinsel eine expressive, künstlerische Ausdrucksweise unterstreichen. Pinsel aus Synthetikfasern sind wiederum sehr vielseitig einsetzbar und auch günstiger als Borst- oder Naturhaarpinsel.
Ein guter Pinsel muss jedoch nicht zwingend teuer sein. Auch wenn die Preise je nach Größe und Material stark variieren können, gibt es gute Pinsel bereits zwischen vier und zehn Euro. Pinselsets sind nochmal etwas günstiger. Wichtig ist jedoch nicht der Preis, sondern vielmehr, dass der Pinsel die richtige Form und das passende Besteckungsmaterial hat.

Naturhaarpinsel

Naturhaarpinsel werden aus Tierhaaren gefertigt. Am häufigsten und beliebtesten sind hier die Haare von Rind, Eichhörnchen (speziell das Fehhaar), Iltis und Rotmarder. Jede Haarsorte hat ihre ganz eigenen Eigenschaften, die für bestimmte Zwecke perfekt prädestiniert sind: von fest über hochelastisch bis hin zu hauchfein.

  • Rindsohrhaarpinsel: Haare vom Rind sind sehr kräftig, robust und können viel Farbe aufnehmen. Sie eignen sich daher besonders gut für dickflüssige Farben, wie sie bei der Ölmalerei gängig sind.
  • Fehhaarpinsel: Robust und elastisch, aber dennoch sehr fein ist das Schweifhaar des sibirischen Eichhörnchens (Feh). Die biegsamen Pinsel können viel Wasser aufnehmen, was sie optimal für wässrige Farben macht. Zum Bemalen von glatten Oberflächen ist der „Verwaschpinsel“ aus Fehhaar die richtige Wahl.
  • Iltishaarpinsel: Der Iltishaarpinsel gehört zur Grundausstattung bei der Aquarell- und Ölmalerei, denn das Haar ist sehr weich und erzeugt kaum Struktur beim Malen.
  • Rotmarderhaarpinsel: Die Elite unter den Naturhaarpinseln! Rotmarderhaar ist kräftig, aber dennoch sehr geschmeidig und elastisch. Die Haare können viel Farbe und Feuchtigkeit aufnehmen, besitzen eine große Spannkraft und behalten ihre Form im Pinselkopf bei.

Borstpinsel

Borstpinsel bestehen aus den Borsten von Schweinen. Anders als Tierhaare (Fell) sind Schweineborsten deutlich kräftiger, härter, dicker und steifer. Bei hochwertigen Borstpinseln spaltet sich die Borste an der Spitze in mehrere auslaufende Enden. Dadurch kann der Malpinsel einerseits sehr viel Farbe aufnehmen und sorgt andererseits für einen gleichmäßigen Farbauftrag. Obwohl Schweineborsten sehr dick und steif sind, sind sie hochelastisch und brechen auch bei stärkerem Druck nicht ab. Das macht sie ideal für pastosen (sehr dicker Farbauftrag) und eher robuste Maltechniken in der Acryl- und Ölmalerei.

Synthetikfaserpinsel

Neben Naturhaarpinsel und Borstpinsel sind speziell unter Hobbykünstlern und Schülern Synthetikfaserpinsel sehr beliebt. Das Besteckungsmaterial besteht meist aus Acryl, Nylon, Taklon oder einer Kunstfasermischung. Synthetische Fasern sind weicher und haben dadurch einen flüssigeren Farbauftrag. Sie sind außerdem preiswert, vielseitig einsetzbar, elastisch und sehr lange haltbar. Manchmal werden hochwertige Synthetikfasern mit Naturhaaren kombiniert, um die Vorteile beider Besteckungsmaterialien miteinander zu verbinden.

Auf die richtige Pinselform kommt es an

Je nach Maltechnik, Malunterlage und Motiv kommt es nicht nur auf das Pinselhaar, sondern auch auf die Pinselform an. Es gibt beispielsweise aufgefächert oder spitz zulaufend, kräftig und breit oder gar individuell geformt. Wir stellen euch die gängigsten Pinselformen vor und verraten, welcher Pinsel für was am besten funktioniert.

Welche Pinselformen gibt es?

  • Katzenzungenpinsel
  • Fächerpinsel
  • Grundierpinsel
  • Schlepperpinsel
  • Kapselpinsel
Katzenzungenpinsel

Katzenzungenpinsel

Wie der Name schon verrät, ist dieser Pinsel sehr flach und an der Spitze abgerundet, genau wie die Zunge einer Katze. Mit einem Katzenzungenpinsel lassen sich sowohl Kurven, Konturen und Details malen als auch größere Flächen ausmalen. Egal ob schmal zulaufende Linien, Schnörkel, auslaufende Striche, verwaschene Farben, oder Farbübergänge: Der Katzenzungenpinsel ist ein Multitalent, das in keinem Pinselset fehlen darf.

Fächerpinsel

Fächerpinsel

Der flache Fächerpinsel eignet sich insbesondere für naturgetreue Darstellungen, wie Portraits oder Landschaftsmalereien. Durch die Fächerform gelingen Farbübergänge besonders gut, was beispielsweise Wolken oder fließendes Wasser sehr realistisch wirken lässt. Auch das Verteilen von dickflüssigeren Farben und Pasten, wie Gouache oder Acryl gelingt mit dem Fächerpinsel dank seiner Elastizität und Spannweite. Selbst präzises Arbeiten für sanfte Farb- oder Pigmentaufträge, wie beispielsweise bei der Vergoldung oder Ausbesserung von Bilderrahmen und Ornamenten, macht der Pinsel möglich.

Schlepperpinsel

Schlepperpinsel

Bei diesem Pinsel sind viele Haare sehr dicht beieinander. Die Spitze ist auslaufend. Exakt geformt und leicht angeschrägt. Somit kann der Malpinsel viel Farbe aufnehmen und in präzisen, gleichmäßigen und sowohl feinen als auch etwas breiteren Linien wieder abgeben. Gerade in der Schriftenmalerei macht ihn das sehr beliebt.

Grundierpinsel

Unabhängig von der Konsistenz der Farbe oder dem Maluntergrund deckt der robuste Grundierpinsel große Flächen mit nur einem Pinselstrich ab. Das macht ihn zur perfekten Wahl für sehr große Bilder, die in kräftigen Farben erstrahlen sollen.

Kapselpinsel

Die Borsten sind, genau wie beim Grundierpinsel, sehr dicht angeordnet, bilden jedoch eine konische Form. Dank der robusten Zwinge, die alle Haare beim Malen an Ort und Stelle hält, ist der Kapselpinsel sehr langlebig. Mit der Zeit passt sich die Form an die Malgewohnheiten des Künstlers an, sodass ein ganz individuell geformter Pinselkopf entsteht.

Wassertankpinsel

Der Wassertankpinsel eignet sich perfekt zum „verwischen“ von Aquarellfarben. Die Spitze besteht aus Synthetikhaar und ist mit verschiedenen Strichstärken erhältlich, sodass für jedes Motiv der passende Wassertankpinsel existiert. Ob klares Wasser zum Verwischen bestehender Farben oder wässrige Farben, der Wassertank kann mit beiden Varianten befüllt werden. Die gewünschte Wassermenge bzw. Farbmenge beim Malen wird durch Druck reguliert. Mit seinem Deckel ist der Wassertankpinsel eine super Begleitung für unterwegs, ohne lästige Wassertöpfe oder Farbtöpfe, die umfallen könnten und ein nasses buntes Durcheinander hinterlassen.

Tipp: Es gibt sogar zusammensteckbare und platzsparende Minipinsel als super Reisebegleiter oder für unterwegs.

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